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| Hlg. Lukas 18. Okt. - Aussendung |
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Liebe Mitbrüder und Mitchristen,
Als Jesus die zweiundsiebzig Jünger aussendet, um ihm vorauszugehen und das Reich Gottes zu verkünden, bereitet er sie zugleich darauf vor, dass die Verkündigung nicht immer einfach sein wird. Die Jünger des Herrn werden nicht überall mit offenen Armen empfangen. Im Gegenteil: die Boten des Herrn, die seine Frohbotschaft verkünden, werden oft auf Ablehnung stoßen und sogar Anfeindung erleben. Den Jüngern wird es nicht besser ergehen wie dem Herrn Jesus selbst. Wie oft predigte er und stieß dabei auf Unverständnis, auf taube Ohren und verstockte Herzen. Wie oft musste er sich über den Unglauben der Leute wundern, bis am Schluss eine aufgebrachte Menge sogar seine Hinrichtung fordern wird. Auf diesem Hintergrund ist das ernste Wort an die Jünger zu verstehen: "Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe" (Lk 10,3). Damit deutet Jesus klar an, dass auch die Jünger - so wie er - bissigen und gefährlichen Angriffen ausgesetzt sein werden. Bis heute hat sich an dieser Situation nichts geändert und immer wieder gibt es für den Christen den Gegenwind des Unglaubens zu spüren. Viele wollen die Botschaft des Glaubens nicht mehr hören, vor allem dann, wenn es eine unbequeme Botschaft ist, wenn sie den autonomen und modernen Lebensstil eines bequemen Lebens ohne Gott in Frage stellt. Da reagieren viele Menschen gereizt und bissig oder auch mit offenem Spott. Und das nicht nur außerhalb der Kirche. Die Uneinigkeit in den eigenen Reihen, der innere Glaubensabfall bei so vielen, die den Namen "Christ" tragen: das ist die größte Not der Kirche heute.
Diesen Fakten verschließt man sich oft auch in der Kirche und verdrängt die innerkirchliche Realität. Als Beispiel nenne ich hier nur einige Fakten: Wir haben in der Katholischen Kirche besonders in Deutschland (wir Deutschen waren halt schon immer besonders gründlich) bekanntlich viele Pastoralexperten und andere Experten, aber wenige Heilige und Propheten, viele, oft auch fragwürdige Theologen, die oft unter Verletzung der Wahrheits- und Fairnesspflicht die innerkirchliche Auseinandersetzung angeheizt haben und die ihre Zeit damit verbringen, die Grundlagen des Glaubens zu relativieren und zu leugnen aber zu wenig echte Verkünder des ungeschmälerten Glaubens und Priester, viel gutgemeintes Engagement, aber zu wenig Gehorsam, viel Kritik am Papst und der kirchlichen Lehre, aber wenig Begeisterung und Freude am Glauben, einen noch immer perfekten kirchlich bürokratischen Apparat, bei gleichzeitig schrumpfendem kirchlichem Leben.
Liebe Gläubige, trotz aller Schwierigkeiten, dürfen wir nicht die große Chance übersehen, die der Glaube gerade heute hat. Das Wichtigste und Entscheidende für die Weitergabe des Glaubens heute - für die Neu-Evangelisierung, die uns der Hl. Vater so sehr ans Herz legt - ist, dass die Gläubigen selbst wieder froher und getroster und entschiedener an Gott glauben. Der mündige Glaube lässt sich nicht von Strömungen umwerfen. Er widersteht den jeweils gerade wehenden Winden. Er weiß, dass diese Winde nicht der Hl. Geist sind; dass der Geist Gottes sich in der Gemeinschaft mit Jesus Christus ausspricht und zeigt.
Der Herr stellt uns die große Ernte vor Augen. Die Ernte, das sind die Menschen, die in das Reich Gottes eingebracht werden sollen. Viele Menschen suchen nach Gott, ob es ihnen bewusst ist oder nicht. Viele sehnen sich nach einer anderen Welt, da Sie spüren, dass vieles aus dem Lot geraten ist und die Gerechtigkeit und Liebe in einer gnadenlosen Welt oft zu kurz kommen, einer Welt, die sich nicht selbst erlösen kann und die immer wieder durch die Sünde bedroht wird. Ungeachtet von Überfluss und Reichtum herrscht große geistige Not und Sinnlosigkeit. In unserer oftmals übersättigten Welt ist das Wichtigste Mangelware: der Sinn. Und die Kirche hat Sinn anzubieten, denn sie hat den Herrn Jesus Christus anzubieten, der wenn wir uns an ihn halten, uns den Sinn des Lebens tiefer erschließt. Das Leben ohne Christus ist unvollständig, da die grundlegende Wirklichkeit fehlt, nämlich er selbst. Daher dürfen wir überzeugt sein, dass wir niemandem Unrecht tun, wenn wir ihm Christus bringen. Wir wissen wohl: „Das Evangelium ist im letzten nicht bloß Wort - Christus selbst ist das Evangelium"
Vergessen wir nicht: Gott ist der Herr der Ernte und es geht um das Reich Gottes, das sich ungeachtet aller jetzt vorhandenen Umstände und Gegebenheiten durchsetzen wird. Und dieses Reich ist sogar "nahe", wie Jesus mit Nachdruck sagt und ist letztlich durch nichts und niemanden aufzuhalten. Seien wir darum froh, dass Gott uns gerufen und seine Hand auf uns gelegt hat. Seien wir froh, dass wir Gott dienen dürfen in der Nachfolge Jesu, jeder an seinem Platz.
Und freuen wir uns, dass unsere Namen - nach Jesu Wort (Lk 10,20) - im Himmel verzeichnet sind. Amen. |
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