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2. Sonntag nach Pfingsten

Predigt am 2. Sonntag nach Pfingsten 07.06.2015

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Lukas 14,16-24
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Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes

Hochwürdigster Vater Abt, liebe Mitbrüder,
liebe Brüder und Schwestern in unserem Herrn Jesus Christus

Jesus erzählt dieses Gleichnis vom Gastmahl im Hause eines Pharisäers, eines Repräsentanten der religiösen Führungsschicht Israels. Er will mit diesem Gleichnis ganz bewusst seine Zuhörer provozieren und zur Umkehr bewegen. Der unmittelbare Anlass für dieses Gleichnis war der Ausruf eines Gastes: „Selig, wer am Mahl im Reich Gottes teilnehmen wird.“

Die erste Einladung zu diesem Mahl des Vaters mit seinem auserwählten Volk, die Einladung zur Vereinigung mit Ihm, ist durch Moses ergangen. Das Volk hatte angenommen, indem es den ersten Bund am Sinai bestätigt hatte. Jetzt, nachdem der vom Vater verheißene Messias zu seinem Volk gekommen ist, folgt die zweite Einladung: „Alles ist bereit!“ Aber die Gäste wollen nicht. Der Bote des Gastgebers, Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes wird zurückgewiesen, verachtet und stirbt am Kreuz: „Er kam in sein Eigentum aber die Seinen nahmen Ihn nicht auf.“

Den Geladenen erscheint alles andere wichtiger als das göttliche Mahl. Da ist der Stolz um seinen Besitz, die Sorge um seinen Lebensunterhalt, die Freude an der Ehefrau, alles Dinge, die in sich nicht schlecht sind. Aber was den göttlichen Gastgeber so empört, ist, das dies alles vorgeschoben wird, um seiner Einladung nicht folgen zu müssen. Die Freuden und die Sorgen dieser Welt werden benutzt, um den Blick auf die himmlischen Dinge aus dem Leben auszuklammern.

Kommen uns diese Entschuldigungen nicht bekannt vor? Haben wir sie nicht schon im Gespräch mit Freunden und Bekannten so oder ähnlich vernommen? Haben wir uns nicht selbst schon dabei ertappt?

Wenn wir das Gleichnis unter diesem Aspekt betrachten, gewinnt es eine geradezu bestürzende und erschreckende Aktualität. Was Jesus den Führern des auserwählten Volkes zeigen wollte, das will er auch uns zeigen, die wir hier bei der Feier des heiligen Messopfers das neue Volk Gottes, die Kirche, repräsentieren. So wird das Gleichnis vom Festmahl zu einem Spiegel der Situation des Glaubens an Jesus Christus in den einstigen Kernländern des Christentums, die gerade dabei sind, den Glauben an den Sohn des lebendigen Gottes von sich zu werfen.

Jesus zeigt uns an diesem Sonntag mit diesem Gleichnis auch die Situation in unserem Lande.

Sehen Sie, die Generation meiner Eltern, die dieses Land nach dem Krieg aufgebaut hat, die all die schrecklichen Erfahrungen des Krieges verarbeiten musste: „Wo war denn Gott, als mein Bruder bei einem nächtlichen Bombenangriff bei lebendigem Leibe verbrannte?“ Wo war Er denn, als wir mit einem Torpedo ein englisches Schiff versenkten, das Schiff mit Mann und Maus einfach absoff? Hat Gott sie gerettet?“ „Wo warst Du mit Deiner Barmherzigkeit, als auf der Flucht neben mir meine Verlobte vor Entkräftung liegen blieb?“

Dann ging es uns wieder besser. Wir gingen wieder in die Kirche. Wir hatten auch allen Grund, dankbar zu sein. Dann kam langsam der Wohlstand. Wir konnten ein Haus bauen, wir waren so beschäftigt dabei und waren so froh. Dann haben wir in unserer Freude vergessen, die Einladung anzunehmen. Wir brauchen Ihn doch nicht. Das haben wir alles mit unseren EIGENEN Händen aufgebaut. Mit unseren EIGENEN Händen und nicht mit der Hilfe Gottes. Dann wurden wir lau und gleichgültig und stolz.

Dann meine Generation: Das war keine Gleichgültigkeit, das war kalte Ablehnung. Religionsunterricht. Da gehen wir doch nicht hin. Da machen wir eine Hohlstunde. Da gehen wir ein Bier trinken und einen Joint rauchen. Da wurde Jesus ganz bewusst ausgeklammert und voller Verachtung auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen. Das hat sich dann fortgesetzt in den Jugendzentren, in den alternativen Lebensentwürfen. Wir machten den Marsch durch die Institutionen, und jetzt haben wir die Institutionen erobert in den Schulen, in der Kultur und vor allen in den Medien. Das Ergebnis dieses verschimmelten Brotes und des verdorbenes Weines, das uns seit vier Jahrzehnten zum Mahl vorgesetzt wird, sehen wir jetzt mit schockierender Deutlichkeit.

Das Schlimmste sind diese Lauheit und Gleichgültigkeit. So gleicht unser Land der Gemeinde von Laodizea, die der heilige Johannes in seiner Offenbarung erwähnt: „Weil du aber lau bist und weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Munde ausspeien. Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich einkehren und Mahl mit ihm halten und er mit mir.“

„Kommt, das Mahl ist bereitet“ Diese Einladung gilt immer noch. Aber es gilt auch, wenn wir nicht wollen: „Geh hinaus an die Wege und Zäune, und nötige die Leute hereinzukommen!“

Und Jesus ist hinausgegangen, Brüder und Schwestern. Und das erfüllt mich mit ganz, ganz großer Hoffnung. In vielen muslimischen Ländern lernen viele Menschen Jesus Christus kennen, im Verborgenen, im Stillen. Und es ist gut so, dass es so in der Verborgenheit geschieht.

In der Volksrepublik China tritt Jesus mit seiner Liebe in das geistige Vakuum ein, das durch die kommunistische Herrschaft hervorgerufen wurde. Immer mehr Chinesen lernen Jesus Christus kennen und bauen damit auf dem Fundament auf, das die Missionare der vergangenen Jahrhunderte gelegt haben, darunter auch Mönche des Trappistenordens.

Was können wir tun, um diesen Brüdern und Schwestern in der Ferne zu helfen, so dass sie für uns im Blute Christi zu Nahen werden, wie es der heilige Paulus in seinem Epheserbrief ausdrückt?

Und der heilige Apostel Johannes lehrt uns in der heutigen Epistel: „Wir sollen für die Brüder das Leben hingeben. Wer die Güter dieser Welt besitzt, aber sein Herz verschließt, wenn er seinen Bruder Not leiden sieht, wie soll in dem die Liebe Gottes bleiben?“

Nun, im Opfermahl der heiligen Messe, der Kommunion, empfangen wir den verklärten, geopferten Christus, unsere Opfergabe. Nur wo der Gnadenquell des eucharistischen Opfers sprudelt, leuchtet auch die Wahrheit Christi voll und ungetrübt. Die heilige Kommunion erfüllt uns mit Christi Geist und Gesinnung, mit seinem göttlichen Leben. All dies sollen Sie, liebe Brüder und Schwestern, die Woche hindurch zur Entfaltung bringen. Dazu gehört das fürbittende Gebet für diejenigen, die an den Wegen und Zäunen die Einladung zum Mahl erhalten haben. Voll dieser fürbittenden Gebete für unsere Brüder und Schwestern in der Ferne kommen wir dann am Sonntag zur Feier des heiligen Messopfers und bringen diese Bitten durch die erhobenen Hände des Priesters und den aufsteigenden Weihrauch zu unserem Vater im Himmel.

„Ich sage euch aber, keiner von den Männern, die geladen waren, wird von meinem Mahle kosten.“ Ist das das letzte Wort? Wenn man die göttliche Gnade bis zuletzt abweist, und von der Sünde gegen den Heiligen Geist nicht lassen will, dann „Ja“.

Aber Gott will ja nicht den Tod des Sünders, sondern will, dass er lebt. Er will auch unsere Mithilfe an seinem Erlösungswerk. Das zeigt sich ganz besonders an der Botschaft der Marienerscheinung von Fatima im Jahre 1917. Die Botschaft von Fatima ist eine Einladung und eine Heilsschule, sie wird „das kurz gefasste Evangelium Jesu“ genannt und beinhaltet folgende Punkte: Die dauerhafte Umkehr, das Beten des täglichen Rosenkranzes, die Verantwortung für die Gemeinschaft und Sühne für die Sünden anderer.

Ich möchte Ihnen zum Schluss ganz besonders ans Herz legen, diese Gebete von Fatima immer wieder zu beten und fest daran zu glauben, dass dadurch eine Umkehr erreicht werden kann, so dass, wenn der Herr sagt: „Es ist alles bereit,“ niemand mehr sagt: Ich habe keine Zeit. Entschuldige mich, sondern, dass wir alle gemeinsam voller Freude mit dem alttestamentlichen Sänger des Psalmes 12 in den Gesang der heutigen Communio einstimmen: Cantabo Domino, qui bona tribuit mihi: et psallam momini Domini altissimi – Dem Herrn will ich singen, der mir Gutes getan. Ich will preisen den Namen des Herrn, des Allerhöchsten.

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.