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| Gott befriedigt unser Verlangen nach echter Freude |
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Überfluss und Verdienst machen das Leben angenehm, doch mehr als beide, einen Schatz zu finden. Sir 40,18
Lieber Gott und Vater, bei der Erschaffung des Menschen sprachst Du das Wort: „Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich“(Gen 1,26). Somit ist der Mensch ein Ebenbild Deines unendlichen Wesens. Als solcher teilt er mit Dir Deine Unendlichkeit. Da ein unendlicher Besitz für uns Menschen nicht möglich ist, so geht zumindest sein Verlangen danach.
Sei es auf materiellem Gebiet, sei es auf geistigem Gebiet, wir erleben uns immer als solche, die ihren Besitz, die ihr Wissen vermehren wollen. Jesus hat in seinen Gleichnissen dieses Bild des Menschen nachgezeichnet. So lesen wir von dem Gutsbesitzer, der sich Sorge machte, wie er seine reiche Ernte unterbringen konnte. Noch plastischer sehen wir den reichen Prasser vor uns, um sein Leben maßlos zu genießen. Auch auf dem Gebiet des Geistes gibt uns Dein göttliches Wort Einblick im Streben nach Unendlichem. So lesen wir im Alten Testament bei einem Weisheitslehrer: „Auf allen Wegen habe ich es mit dem Wissen versucht. Aber das Wissen blieb für mich in der Ferne.“ (Koh 7,23).
Lieber Vater, wenn wir schon auf geistigem Gebiet unser Unvermögen einsehen müssen, das Verlangen nach Erkenntnis befriedigen zu können, um wieviel weniger können uns dann materielle Güter zufrieden stellen. Doch Dein Wille ist es, Deine Geschöpfe zu beglücken. Wir machen die Beobachtung, dass dies bei den unvernünftigen Wesen, den Tieren, der Fall ist. Wenn ihr sinnliches Bedürfnis befriedigt ist, verlangt es nicht nach mehr, während ein Alkoholiker nie sagen wird: Jetzt reicht es mir. So sind wir genötigt, auf die Suche zu gehen, wie Du unseren Drang nach Unendlichkeit stillst. Wir dürfen uns wieder Jesus zuwenden, ob Er eine Lösung unserer Frage bereithält. Der aufmerksame Leser im Evangelium kommt da nicht in Verlegenheit. Besonders in zwei Gleichnissen ist unverkennbar von einer Freude die Rede, die Ausdruck eines zufriedenen Herzens ist. Das Verlangen ist gestillt. Man ist beglückt, das erlangt zu haben, wonach das Herz sich gesehnt hat. So lesen wir von einem Mann, der einen Schatz in einem Acker gefunden hat. Voll Freude geht er hin, setzt sein ganzes Vermögen ein, um diesen Schatz mit dem Kauf des Ackers zu erwerben. Ferner lesen wir, wie jemand eine kostbare Perle sucht. Auch er ist voll Zufriedenheit, endlich eine gefunden zu haben. Sein ganzer Besitz ist ihm nicht so viel wert wie diese Perle. Ferner hören wir von Jesus, uns nicht ängstlich zu sorgen um Nahrung und Kleidung. Als Begründung fügt er hinzu: „Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung“(Mt 6,25).
Lieber Vater, gehen wir weiter auf eine Klärung. Wenn Jesus uns lehrt, in Bezug auf Nahrung und Kleidung unser Leben nicht so wichtig zu nehmen, so versteht Jesus in diesem Zusammenhang unter Leben mehr, als wir es auf natürlicher Ebene erfahren. Wir schauen wiederum auf Jesus, ob Er eine Antwort auf unsere Frage weiß. Er lässt uns nicht im Ungewissen. Wir erleben ständig die Zerbrechlichkeit unseres irdischen Daseins. Wir tragen verstorbene Angehörige zu Grabe und merken mit zunehmendem Alter immer realistischer, dass uns dasselbe Los beschieden ist. Von Jesus aber hören wir, dass es ein Leben gibt, das ewig währt. So spricht Er von sich selbst, dass der Menschensohn erhöht werden muss, damit jeder, der an Ihn glaubt das ewige Leben hat. Fragen wir uns weiter, wie ist dieses Leben beschaffen. Jesus bleibt uns nicht die Antwort schuldig: „Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst (in der eucharistischen Speise) durch mich leben“(Joh 6,57). Jesus ist wesenhaft vereint mit dem göttlichen Wort, dass Du, guter Vater, seit aller Ewigkeit zeugst. Es ist Dein göttlicher Sohn, voll und ganz teilt Er Deine göttliche, anbetungswürdige Natur. Jesus verspricht uns nun, dass auch wir an dieser Natur teilhaben, wenn wir Ihn in der eucharistischen Speise empfangen. Nur dieses Leben kann unser Verlangen nach Unendlichkeit stillen: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“(Joh 10,10). Dieses Leben geht über das irdische Leben hinaus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“(Joh 11,25). Jesus verbürgt uns, dass dieses Leben ewig währt: „Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast“(Joh 17,3).
Lieber Vater, dieses göttliche ewige Leben ist der verborgene Schatz im Acker, für den es sich lohnt, alles herzugeben, um ihn zu gewinnen. Dies ist die kostbare Perle, nach der wir suchen, bis wir sie gefunden haben. Wenn wir zum Gleichnis des reichen Prassers zurückkehren, dann erfahren wir auch, wer der Gewinner des wahren Lebens ist: der reiche Prasser in seiner Genusssucht oder der arme Lazarus, der vor seiner Tür liegt? Wir erfahren, wie Lazarus nach seinem Tod in den Schoß Abrahams getragen wird, aber der unbarmherzige Schlemmer die Qualen des höllischen Feuers ertragen muss. Jetzt sind die Rollen vertauscht. Lazarus hat teil an der Glückseligkeit Deines dreifaltig-göttlichen Lebens, während der Prasser in der Gottferne vom vergeblichen Verlangen nach dem Glück des Lazarus verzehrt wird.
Lieber Vater wir wollen noch kurz in die Schule des hl. Paulus gehen, wie er uns mahnt, uns vor einem sündhaft genießerischen Leben in acht zu nehmen, damit auch wir einst das glückliche Los des armen Lazarus teilen dürfen. So lesen wir im Brief an die Galater: „Lasst euch vom Geist leiten, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen, denn das Begehren des Fleisches richtet sich gegen den Geist, dass Begehren des Geistes aber gegen das Fleisch“(Gal 5,16f).
Dank, lieber Vater, Jesus verspricht uns, dass Du denen Deinen Heiligen Geist geben wirst, die Dich darum bitten. Dann dürfen wir uns auch der Früchte des Heiligen Geistes erfreuen, die in diesem Leben ein Vorgeschmack des ewigen Lebens sind. „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“(Gal 5,22f).
Br. M. Famian
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