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Marienverehrung, Priorat und 100 Jahre Abtei


Ein Festvortrag von Helmut Breuer

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kursiver TextHerr Helmut Breuer bei seinem Vortrag vor den Gästen der 100-Jahr-Feier im Kapitelsaal
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Als vor über 500 Jahren ein einfacher Bürger des damaligen Städtchens Heimbach um 1470 in Köln für 9 Mark eine Pieta, die Schmerzhafte Muttergottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß, kaufte, da ahnte keiner, welche Gnaden- und Heilsquelle er damit für die kommenden Generationen bis zum heutigen Tage erschlossen hatte.

Aus dem Bruderschaftsbuch des Pfarrarchives zu Heimbach, das damals dem Kloster Mariawald inkorporiert war, erfahren wir Näheres über den Käufer Heinrich Fluitter, Strohdecker und Fischer aus Heimbach, und über die damit verbundenen Entstehungsgeschichte des Klosters Mariawald.

Auf den ersten Seiten dieses Buches steht die merkwürdige Enstehungsgeschichte des Klosters Mariawald, eine von Prior Wilhelm Brewer beglaubigte Abschrift der Niederschrift des Landvogts von Nideggen Michael Radermächer, der ein Augenzeuge der Klostergründung gewesen ist.

Dort heißt es wörtlich:

„Anfenglich ist einer geweßen, hat geheißen Henrich Fluitter von Heimbach, und ist ein Ströhedecker geweßen, der hat dass Marienbild zu Cöllen gesehen Feyl stahn, und hatt es gedingt, aber er hatt nicht soviel gelts, dass er es bezahlen könnte. Do ist er zu Heimbach gegangen und sein noth dar geklagt, hette er neun marck, er wollte ei Bild gelten und in den Busch setzen. Do hatte einer ihme diese vorgeschriebene neun marck gegeben, und hat dieß Marienbildt gehöhlet und bezahlt.“ -

Soweit ein Auszug aus der beglaubigten Abschrift der Niederschrift von Michael Radermächer.

Es mag überraschen, dass Heinrich Fluitter das aufwendig erworbene Marienbild dann nicht in der Kirche zu Heimbach aufstellte, sondern mitten in einem Wald, auf einem unzugänglichen, nicht durch bequeme Verkehrswege erschlossenen Berg, dessen Name „Kermeter“ auch heute noch in unserem Sprachgebrauch gängig ist.

Ursprünglich hatte Heinrich Fluitter seine PIETA in eine Baumhöhlung am Amselbach gestellt, vermutlich etwa an der Stelle, wo sich heute ein schlichtes Marienbildchen befindet. Da ihm diese Stelle aber zu einsam und abgeschieden war, erste merkwürdige Wunder geschahen und dadurch immer häufiger Pilger zu dem Marienbild kamen, verlegte er es „uff den Kreutzweg“ an eine Wegekreuzung, an die Stelle, wo sich die heutige Abtei Mariawald befindet. In dem Originalbericht heißt es weiter: „Do ist ein klein heußgen gemacht worden, und darin ist dass bildt gesätzt und der Fluitter ist in ein löcksgen (kleine Hütte) dabeigeblieben.“

Da der Strom der Wallfahrer zu dem kleinen "heußgen" mit der Gnadenmutter nun stetig wuchs, wurde hier mit Zustimmung des Kölner Erzbischofs Hermanns IV durch den Heimbacher Pfarrer Johannes Daum im Jahre 1479 eine hölzerne Kapelle zwecks Förderung der Wallfahrt zu Maria im Walde errichtet.

Schon ein Jahr später, am 10. November 1480, wurde diese mit allem dazugehörenden Land den Zisterziensermönchen von Bottenbroich bei Köln geschenkt in der Absicht, die sollten sich des Wallfahrtsortes annehmen und dort ein Kloster gründen. Schon kurze Zeit später wurde Prior Johannes von Goch und 12 Zisterziensermönche, nur ausgerüstet mit dem Allernötigsten, an ihre neue Wirkungsstätte entsandt.

Am 4. April des Jahres 1486, als der Gründungstag des Klosters Mariawald gefeiert wird, trafen weitere Zisterziensermönche an der Gnadenstätte auf dem Kermeter ein und bauten das bestehende Gebäude soweit aus, bis die Voraussetzungen für die Bildung eines selbstständigen Priorats erfüllt waren. Dieses Priorat erhielt den Offiziellen Namen „Nemus Mariae“ – Wald Mariens. Aus der Kapelle im Wald war ein Kloster geworden – ein Kloster der Zisterziensermönche – ein Ort der Marienverehrung.

Es folgte im Jahre 1494 der Baubeginn einer spätgotischen Hallenkirche mit 12 Altären, die am 11. November 1511 eingeweiht wurde.

Gut 300 Jahre betreuten die Zisterziensermönche die Pieta, die inzwischen in einem wertvollen Antwerpener Schnitzaltar ihren würdigen Platz gefunden hatte, und die immer zahlreicher erscheinenden Pilgerscharen in ihrem Kloster.

Die Wirren der französischen Revolution bereiteten dem Kloster ein vorläufiges Ende. Durch Beschluß der Revolutionsregierung wurde das Zisterzienserkloster Mariawald am 2. April 1795 aufgehoben, die Brüder und Patres wurden bis auf wenige Ausnehmen vertrieben und das Kloster bis zur Ruine zerstört. - Gott sei gedankt, dass Schmerzensmutter und Antwerpener Schnitzaltar unversehrt blieben und in einer feierlichen und bewegenden Prozession am 22. Juni 1804 in die Heimbacher Pfarrkirche übertragen wurden.

Nachdem Abt Ephrem von Oelenberg 1860 die Klosterruine Mariawald zwecks Neubesiedlung käuflich erworben hatte, kamen am 24. Februar 1861 die ersten Brüder von Oelenberg nach Mariawald. Als reformierte Zisterzienser von La Trappe begannen sie sofort mit den Wiederaufbaumaßnahmen. Es folgte unter Leo XIII. am 1. Oktober 1892 eine weitere Umbenennung in Zisterzienser der strengeren Observanz (OCSO - Ordo Cisterciensis Strictioris Observantiae).

Von La Trappe ist nicht mehr die Rede. Der Name „Trappisten“ für die Mitglieder dieses Ordens aber ist bis auf den heutigen Tag geblieben.

Nachdem ich bis jetzt kurz auf Klostergründung, Marienwallfahrt, Zisterzienserorden, Vertreibung und Rückkehr der Mönche in ihr Priorat - ins Kloster Mariawald - eingegangen bin, möchte ich nun ihre Aufmerksamkeit auf ein Ereignis richten, als dieses Kloster vor jetzt 100 Jahren zur Abtei erhoben wurde und dessen Gedenktag wir in dieser Feierstunde begehen.

Seit Wiederbesetzung des Klosters im Jahre 1861 und besonders seit der Rückkehr aus der durch den Kulturkampf veranlaßten Verbannung der Mönche hatte das Kloster Mariawald sich in jeder Hinsicht bewährt. In Anbetracht dieser günstigen Entwicklung erhob daher das Generalkapitel des Ordens im Jahre 1909 das Priorat Mariawald zur Abtei. Diese Nachricht erfüllte nicht nur die Mariawalder Ordensleute selbst, sondern auch die ganze Gegend mit aufrichtiger Freude.

Am 30. Juni 1909 fand unter dem Vorsitz von Abt Franziskus Strunk von Oelenberg die erste Abtswahl in Mariawald statt, aus der Laurentius Wimmer, der bisherigen Subprior, als Gewählter hervorging.

Dom Laurentius war am 23. März 1869 zu Gerhartskirchen in der Nähe Altötting geboren und wurde im Juni 1894 in Passau zum Priester geweiht. Am 4. August 1898 trat er in Mariawald ein und legte dort seine einfachen und seine feierlichen Gelübde ab. Am 11. Juli 1909 wurde er in sein Amt eingeführt, und am 29. September desselben Jahres erteilte ihm seine Eminenz Kardinal Fischer von Köln in der Klosterkirche die Abtsweihe.

Mariawald zählte damals nahezu 100 Ordensleute und war nach der Säkularisation von 1803 wieder das erste Kloster von diesem Range in der Erzdiözese Köln, einst so reich an Abteien der verschiedensten Orden.

Das mag mit der Grund gewesen sein, warum der Kardinal in eigener Person nach Mariawald kam, um die heilige Handlung vorzunehmen, die auch für die Erzdiözesen historische Bedeutung hatte. Beim Festessen führte er aus, dass er gerne nach Mariawald gekommen sei, um den ersten Abt der großen Erzdiözese zu weihen. Früher habe diese eine Anzahl von Abteien gehabt: St. Pantaleon und St. Martin in Köln, Siegburg, Gladbach usw., namentlich auch Zisterzienser Abteien. Nach der Säkularisation seien viele Klöster entstanden, aber bis jetzt noch keine Abtei. Mariawald sei die erste und werde hoffentlich nicht die letzte sein.

Der Kardinal weilte im Jahre 1911 nochmals als Gast in der Abtei Mariawald. Nach seinem Tod schenkten seine beiden Schwestern Brustkreuz, Ring, Mitra, Stola und ein Paar gestickte Handschuhe ihres hohen Bruders dem 1. Abt der Abtei Mariawald Dom (Dominus) Laurentius Wimmer. -

Solange die Abtei zur Erzdiözese Köln bis Anfang der 30er Jahre gehörte, besuchten die Kölner Oberhirten immer gerne das Kloster auf dem Kermeter.

In früheren Jahren konnte es oft lange dauern, bis ein Mönchskloster zur Abtei erhoben wurde.

Da Mariawald in den ersten 3 Jahrhunderten seines Bestehens - also von der Gründung des Klosters 1486 bis zur 1. Vertreibung 1795 – durchschnittlich nicht mehr als 12 Ordensleute hatte, war seine Erhebung schon aus diesem Grund von vornherein ausgeschlossen.

Nachdem aber seit der Neubesiedlung durch die Trappisten 1861 – wie eben schon erwähnt – der Konvent ununterbrochen zunahm und in nahezu 50 Jahren alle Beweise der Bewährung geliefert hatte – im innern und im äußeren Bereich – stand der kirchlichen Erhöhung des Klosters in eine Abtei nichts mehr im Wege. Wenn diese auch zunächst nur eine äußere Würde darstellt, so bereichert sie doch das liturgische Leben der Mönche nicht wenig.

Der Abt kann auf Grund seiner Pontifikalien, die aus Brustkreutz, Ring, Stab und Mitra bestehen, eine Reihe von Weihen vornehmen, die sonst den Bischöfen vorbehalten sind.

Der erste Abt von Mariawald, Laurentius Wimmer, stellte sich und seine Abtei unter das Zeichen des Kreuzes. Sein Wahlspruch lautete: In cruce salus – im Kreuz ist Heil. Dieser Devise entsprach auch das Wappen des 1. Abtes, das in den folgenden Jahren von Abt zu Abt wechselte, während des Hauswappen, das Wappen der Trappisten von Mariawald, immer das gleiche blieb und an der Klosterpforte mit der Aufschrift „Luceat lux vestra“ – es leuchte euer Licht – Gäste und Pilger auf Orden und Abtei aufmerksam macht.

Das Kreuz sollte dem ersten Abt von Mariawald in reichem Maße beschieden sein. Es sei hier nur an den ersten Weltkrieg erinnert, der auch an die Klosterpforte anpochte. Nicht weniger als 33 Angehörige der Abtei mußten dies friedlichen Hallen auf dem Kermeter verlassen und ihre klösterliche Tätigkeit mit dem rauen Kriegshandwerk vertauschen. 3 starben im Krieg und mehrere kehrten als Krüppel in die Abtei zurück. In dieser schweren Zeit zeigte sich Abt Laurentius nicht nur als Vater seiner eigenen Gemeinde, sondern auch der zahlreichen Ordensleute, die infolge des Krieggeschehens ihre Abtei verlassen mußten. Allein aus der Mutter-Abtei Oelenberg im Elsaß suchten insgesamt 35 Trappisten Zuflucht im Tochterkloster Mariawald, das ja auch seit 1909 zur Abtei erhoben war.

Zwanzig Jahre lang führte Dom Laurentius seine Gemeinde, obwohl die äußeren Verhältnisse sehr ungünstig waren. Trotzdem war es ihm möglich, einige bauliche Veränderungen vornehmen zu lassen. So vollendete er im Jahre 1910 den Bau des Brüderhauses, vergrößerte die Sakristei, die Ökonomie und das Gästehaus. Durch Anschluß an das neuerbaute Kraftwerk der Urfttalsperre wurde die Abtei mit elektrischen Licht versehen und die Arbeitsleistung in den einzelnen Betrieben innerhalb der Abtei wesentlich erhöht. Ein hartnäckiges Herzleiden erschwerte dem Abt alsbald die Erfüllung seiner Pflichten. Und so ersuchte er 1929 das Generalkapitel um die Erlaubnis, sein Amt niederlegen zu dürfen. Nachdem seiner Bitte entsprochen worden war, zog er sich in die Trappistenabtei Engelszell in Oberösterreich zurück.

Soweit Gedanken über die Entstehung des Klosters, die Ernennung des Klosters zur Abtei und den ersten Abt dieser Abtei Dom Laurentius Wimmer, der 20 Jahre segensreich dieser Abtei Mariawald vorstand.

Nachfolger von Dom Laurentius wurde 1929 Stefan Sauer. Unter ihm als Abt bekamen die Mönche die Kriegsvorbereitungen zum 2. Weltkrieg erheblich zu spüren. 1938 wurden Teile der Abtei zur Unterbringung der Arbeiter zum Bau des Westwalls beschlagnahmt. Drei Jahre später, am 21. Juli 1941 wurde die Abtei aufgelöst und die Mönche teils vertrieben teils zum Kriegsdienst eingezogen.

Lassen Sie mich an dieser Stelle einmal über die wohl schmerzlichsten Ereignisse der Abtei Mariawald, die der damalige Pfortenbruder aufgezeichnet hat, berichten. Er schreibt wörtlich:

"Etwa um 14.15 Uhr des 21. Juli 1941 ging die Pfortenschelle. Als ich die äußere Klausurtür öffnete, sah ich mich zwei hochgewachsenen Herren in Uniform gegenüber. Da wir häufig Besuche von Bezirkskommando erhielten und mit dieser Stelle in guten Beziehungen standen, glaubte ich, die Herren seien von dort und rief spontan: Seid ihr auch schon wieder da? – Der eine der beiden Herren antwortete mit einem Lächeln, dessen Bedeutung mir erst später zum Bewußtsein kam: Wir möchten das Haus ansehen! - Komm mit, sagte ich und wollte die Herren vorgehen lassen. Aber schon packte mich der eine von ihnen etwas derb an der Schulter und schob mich vor sich her. Wir gingen die zwanzig Schritte bis zum Pfortenzimmer, dessen Tür offen stand. Als einer der Uniformierten hinter mir durch die geöffnete Tür das Telefon erblickte, sagte er zu seinem Hintermann in befehlendem Ton: Sie besetzen das Telefon!

In diesem Augenblick fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Jetzt sind sie da, das ist die Gestapo. Auch bemerkte ich erst jetzt, dass hinter den beiden Uniformierten eine Menge Zivilisten nachdrängten. Die Stimme des Anführers riß mich aus meinen ersten Schrecken. „Wir wollen den Oberen sprechen.“ Ich wollte mich aufmachen, um ihn zu suchen, aber schon war einer der Männer an meiner Seite, um mich keinen Augenblick mehr allein zu lassen. - Wir gingen zusammen durch den Kreuzgang und über den Klosterhof bis zur Ökonomie, wo wir den Gesuchten fanden. Ich deutete mit der Hand auf Dom Antonius (Anmerkung: Antonius Diensberg war Superior von Juni 1939 bis Juli 1943 zwischen den Äbten Stephanus Sauer und Christoph Elsen). Der Beamte ging auf den Superior zu, zeigte seine Erkennungsmarke GESTAPO und forderte ihn auf, mitzukommen. Ohne die geringste Spur der Erregung leistete der Superior der Aufforderung Folge, und wir schritten zurück über den Hof ins Gästehaus.

Dort angekommen, befahl der Anführer dem Oberen: Versammeln sie die Gemeinde! Antonius mußte sich mit den Patres und Brüdern in den Kapitelsaal begeben, wo man sie streng bewachte, während die GESTAPO überall im Haus nach belastendem Material suchte, um der Abtei den Prozeß machen zu können. Gegen 16:30 Uhr wollte der Obere anordnen, dass die für diese Stunde vorgesehene Vesper gemeinsam gebeten werden soll. Allein man fiel ihn barsch ins Wort: Das gibt es jetzt nicht mehr. Jeder bleibt an seinem Platz. Das Theaterspielen hört jetzt auf.

Am Abend desselben Tages wurden drei zur Klosterleitung gehörenden Patres gezwungen, ein Schriftstück zu unterzeichnen, wonach sie sich selbst als Staatsfeinde bekennen mußten, die nicht würdig seien, das Kloster weiterhin zu bewohnen. Was war geschehen? Man hatte bei der Durchsuchung der Räume einige feindlichen Flugblätter gefunden, die zu Hunderten aufs Klostergebiet gefallen und nicht alle vernichten worden waren. Man behauptete ferner, im Kloster seien Auslandssender gehört worden.

Die Gestapo versammelte am anderen Tag die Klostergemeinde erneut im Kapitelsaal - sie war inzwischen zur Beratung nach Aachen gefahren - und einer von ihnen trat vor und sprach etwa Folgendes: „Meine Herren, ich habe ihnen bekannt zu geben, dass die Abtei mit sofortiger Wirkung wegen staatsfeindlicher Haltung aufgelöst ist. Die Patres haben innerhalb 36 Stunden das Rheinland zu verlassen. Die Brüder bleiben hier, um den Wirtschaftsbetrieb aufrecht zu erhalten.“ Nachdem die Namen der ausgewiesenen Patres vorgelesen waren, wurde noch gefragt, „Hat noch jemand etwas zu sagen?“ Der Obere erhob sich und legte - allen deutlich vernehmbar - lauten Protest gegen die Aufhebung des Klosters aus den genannten Gründen ein, was aber kein Gehör bei der GESTAPO fand.

Um die zurückbehaltenen Brüder nicht ohne Geistlichen zu lassen, verfügte die GESTAPO, dass ein Pater für ihre Leitung ebenfalls im Kloster bleiben sollte, da man ja beschlossen hatte, Mariawald zu einem Gemeindegut zu machen. Es war dies gewiß kein beneidenswerter Posten, für den sich schließlich der Novizenmeister Christopherus Elsen, der spätere Superior und 3. Abt von Mariawald, bereit erklärte.
Die Patres schieden nicht aus ihrer Abtei, ohne am Vorabend noch gemeinsam mit den Brüdern das Salve Regina in der Kirche gesungen zu haben. Wenige Monate später folgte auch Christoph Elsen in die Verbannung." -

So weit die Aufzeichnungen des damaligen Pfortenbruders über die Aufhebung der Abtei durch die Gestapo im 2. Weltkrieg.

Als die Westfront näher rückte, diente die aufgehobene Abtei als Feldlazarett und war gegen Ende des Krieges durch Angriffe der Alliierten bereits zu großen Teilen zerstört.

Nach dem Zusammenbruch kehrte der damalige Superior Christopherus Elsen als erster aus der Verbannung wieder nach Mariawald zurück und nahm die Abtei am 28. April 1945 wieder in Besitz. Als 3. Abt begann er sofort mit anderen Heimkehrern mit dem Wiederaufbau der zerstörten Anlagen und stand bis 1961 dem Mariawalder Konvent vor.

Es folgten bis 2005 die Äbte Andreas Schmidt (1961 – 1966), anschließend Otto Aßfalg bis 1980, Franziskus von Heeremann leitete als Superior von 1980 – 1983 die Abtei. Es folgten die Äbte Meinrad Behren (1983 – 1992) Franziskus de Place (1993 – 1999) und Bruno Gooskens (1999 – 2005).

Als Oberer der Gemeinschaft steht der jeweilige Abt allen Versammlungen des Konvents vor und hat die Aufgabe, für seine Mitbrüder wie ein Vater zu sorgen. Die Wahl des Abtes selbst findet im Kapitelsaal statt. Sie wird unter dem Vorsitz des Abtes aus dem Mutterkloster Oelenberg durchgeführt. Der Abt wird heutzutage von dem gesamten Konvent gewählt.

Früher geschah dies auf Lebenszeit. Jetzt aber legen die Mönche vor der eigentlichen Abtswahl fest, ob sie einen Abt auf bestimmte Zeit – das heißt in der Regel 6 Jahre – oder auf unbestimmte Zeit wählen.

Dabei ist jedes Ordensmitglied wählbar, das mindestens 35 Jahre als ist, mehr als sieben Jahre die ewige Profeß hat, die Priesterweihe empfangen hat oder bereit und geeignet ist, diese zu empfangen.

Er wird fortan nicht mehr mit Pater angeredet, sondern führt den Ehrentitel „Dom“, abgeleitet von Dominus – der Herr.

Seit dem 23. Mai 2005 stand Josef Vollberg dem Konvent als Superior vor und wurde am 26. Januar 2007 durch den Aachener Weihbischof Borsch als 9. Abt der Abtei Mariawald in sein verantwortungsvolles Amt eingeführt.

Schon gut ein Jahr später – am 18. Juni 2008 – hatte er das große Glück, bei einer Privataudienz mit Papst Benedikt XVI persönlich zu sprechen. Dieser gestattete dem Abt Josef von der Abtei Mariawald wenig später schriftlich, den alten Messritus und die strengen Klosterregeln des Hl. Benedikt wieder einzuführen.

Zu diesem einmaligen Privileg schreibt Vater Abt: Es sind nun viele Vorbereitungen für die Realisierung zu treffen, die wir zügig, aber mit großer Sorgfalt und getragen vom Gebet verrichten möchten. Neben viel Zustimmung wollen wir nicht verschweigen, so Abt Josef weiter, dass es auch Kritik, sogar sehr heftige, gegeben hat. Reformen erfordern viel Kraft. Daher bitten wir um ein Gebet für ein erstarktes Mönchtum in der Abtei Mariawald.

Dreimal im Laufe von gut 500 Jahren wurden die Mönche von Mariawald
vertrieben

1. im Zuge der Französischen Revolution 1795 – 1861
2. im Kulturkampf 1875 – 1887 und
3. – wie eben gehört – im 2. Weltkrieg 1941 – 1945.

Dreimal kehrten sie an diese Stelle zurück. Ihr Schweigen erwies sich als Stärke, und immer noch ziehen sie einen Teil ihrer Kraft aus dem Gebet und dem Befolgen der Ordensregel des Hl. Benedikt in der Trappistenabtei Mariawald.

_________________________

Quellenangaben:
Belinda-Maria Peters: Mariawald, ein Führer durch das Kloster und das
Leben der Mönche.
Pfarrer P. Hoffmann: Die Wallfahrt zu unserer lieben Frau von Heimbach.
Abt Andreas Schmidt: Mariawald, Geschichte eines Klosters
Bruderschaftsbuch im Pfarrarchiv Heimbach
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