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Der Antwerpener Muttergottes- oder Gnadenaltar
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Der schönste und wertvollste der Mariawalder Altäre war der Muttergottes- oder Gnadenaltar. Wann das Kloster ihn erworben hatte, konnte bis jetzt nicht festgestellt werden.

In allen bisher erschienenen Beschreibungen über Mariawald wird behauptet, daß Junker Gerhard von Berg, genannt Blens, und sein Sohn Wilhelm von Berg und dessen Gemahlin Eva von Hetzingen im Jahre 1518 den Gnadenaltar dem Kloster geschenkt hätten. Bis heute fehlt jedoch jeder Anhaltspunkt zu dieser Behauptung. Da Wilhelm von Berg und seine Gemahlin im Jahre 1518 eine samstägige Singmesse am Gnadenaltar stifteten, dürfte hier wohl eine Verwechslung vorliegen. Allem Anscheine nach hat daß Kloster den Altar käuflich erworben.

Er ist eine Antwerpener Schnitzarbeit des 15. Jahrhunderts und gehört zu den sogenannten Passionsaltären der Antwerpener Schule. An ihm erkennt man so recht, wie die flämischen Altaraufsätze ihre eigentümliche Bildung der Kasten und Gruppen aufweisen und bestimmte ikonographische Regeln befolgen. Er wird von den 32 in Deutschland noch vorhandenen Altären dieser Art für den gelungensten und am besten erhaltenen bezeichnet. Er zeigt echte Kunst, und die vielen Figuren sind in der Gruppierung sowie Vollendung unübertrefflich schön. Der Sockel, auf dem das Altarwerk steht, wurde nach seiner Übertragung in Heimbach angebracht. Dieser Flügelaltar besteht aus einer dreiteiligen Predella mit seitlichen Flügeltüren. Darüber erhebt sich auf flachem Gesims ein breiter dreiteiliger Aufbau, dessen Seitenflügel in zwei, und dessen Mittelstück in drei Geschossen übereinander in geschnitzten und bemalten Figuren Darstellungen aus dem Leben und Tod Jesu Christi und seiner gebenedeiten Mutter enthalten.

Die Seitenstücke und der hoch hinaufgezogene Mittelbau haben einen fast barock geschwungenen Abschlußrahmen. Die Flügeltüren sind auf beiden Seiten bemalt, so daß an diesem Kunstwerk Maler und Bildhauer in edlem Wetteifer zusammenwirkten, um Leben, Tod und Glorie des Gottmenschen und seiner jungfräulichen Mutter wie in einem kunstvoll aufgebauten Hymnus zu verherrlichen. Die Figuren des Altares und die Gemälde der Flügeltüren bilden ein einheitliches Ganzes. Ein einziger Gedanke liegt ihnen zugrunde: Die Offenbarung der Liebe Gottes durch seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus.

Das linke Bild der Predella veranschaulicht die Todesangst Jesu am Ölberg. Im Vordergrund sieht man die schlafenden Jünger; links naht sich der Verräter, während rechts der Engel mit dem Kelche schwebt. Über diesem Bilde ist der Verrat des Judas dargestellt. Der Heiland, von seinen Aposteln begleitet, empfängt den verräterischen Kuß von Judas, dem Kriegsknechte folgen. Im Vordergrund kniet Malchus, in der Linken eine Laterne haltend, während er mit der Rechten den Streich des hl. Petrus abzuwehren versucht. Das obere Bild des linken Flügels zeigt die Kreuztragung, Veronika bietet dem Heiland ihr Schweißtuch an.

Das oberste Bild in der Mitte, das Hauptbild des Altares, ist die Darstellung des großen weltversöhnenden Opfers Christi am Kreuze. Engel in knieender Haltung schweben zu beiden Seiten des gekreuzigten Heilandes. An den Enden des Kreuzbalkens schwebt zur Rechten des Heilandes ein Engel, zu seiner Linken ein Teufel. Sie halten die Seelen der beiden Schächer in Gestalt zweier kleiner Figuren. Am Fuße des Kreuzes sind mehrere Gruppen dargestellt. Von diesem oberen Bilde durch einen glatt wagerecht abgeschnittenen Erdboden getrennt, steht eine dichte Volksmenge. In der Hohlkehle, die zu beiden Seiten die Kreuzigungsgruppe einfaßt, sind auf je zwei baldachinartigen Konsolen vier Gruppenszenen aus dem Leiden Christi dargestellt. Links oben Christus vor Pilatus und darunter die Geißelung; rechts oben die Dornenkrönung und die Verhöhnung des Heilandes und unter derselben die „Ecce homo“-Darstellung.

Das obere Bild des rechten Flügels zeigt die Kreuzabnahme. Joseph von Arimathäa und andere halten den Leichnam des Herrn. Auf den Konsolen der seitlichen Hohlkehlen befinden sich verstümmelte Apostelfiguren. Das untere Bild stellt die Grablegung dar. Das rechte Bild der Predella zeigt den Heiland in der Unterwelt als Sieger über Sünde, Tod und Hölle. Das breite Mittelbild der Predella veranschaulicht den Tod Mariens. Die Hände gefaltet liegt Maria auf einem Bett, das die Jünger umstehen. Ein Jünger in knieender Stellung liest in einem Buche, während ein anderer das Weihrauchfaß schwingt.

Die Gemälde der Altarflügel sind teils eine Einleitung zu den Darstellungen des Schnitzwerkes, teils eine Ergänzung desselben, so daß der Maler an die Stelle des Bildhauers getreten ist, um das ganze Werk zu einem würdigen Abschluß zu bringen. Die Gemälde stellen folgende Begebenheiten dar: die Verkündigung Mariä, die Geburt Jesu, die Flucht nach Ägypten, den zwölfjährigen Jesus im Tempel, die Aufnahme Mariens in den Himmel und ihre Krönung. Von den beiden kleinen Flügelbildern der Predella stellt das linke die Fußwaschung, das rechte das letzte Abendmahl dar. Für das mittlere Bild ist ein Türflügel, Mariä Heimsuchung darstellend, im Pfarrhause. Dieser Teil war im Besitze der Familie Fraikin in Heimbach, die ihn der Kirche zur Verfügung stellte. Der andere Teil konnte bis jetzt nicht ausfindig gemacht werden. Auch der mittlere Teil, der das Gnadenbild birgt, konnte durch Flügeltüren verdeckt werden, da die Scharniere noch vorhanden sind. Die Außenseite der Flügeltüren zeigen Darstellungen von Heiligen, die jedoch nicht alle mit Genauigkeit festgestellt werden können.

Im Mittelpunkt der ganzen Bilderwand des Altares steht das Gnadenbild. Es ist das sogenannte Vesperbild oder der Leichnam Jesu auf dem Schoße seiner jungfräulichen Mutter, eine altgotische Darstellung. Und ist es auch keine künstlerische Schönheit, so ist es doch ein Bild so voll Wehmut und Traurigkeit, so voll Schmerz und Zartheit, daß es das Herz eines jeden fühlenden Beschauers mit frommen Mitleid erfüllt. Das fromme Herz fühlt sich angezogen von diesem Bilde, besonders in jenen Stunden, wo es selber von Schmerz und Kummer gebeugt ist, denn in diesem Bilde sieht der gläubige Christ den Schmerz in seiner Größe und in seiner Verklärung. Da kann er sich Trost und Kraft erflehen. Neben vielen anderen Orten erwählte die Schmerzensmutter grade die Höhe des Kermeter, um als Trösterin der Betrübten Gnade und Segen auf die leidende Menschheit herniederzuträufeln. Und damit es allen zugänglich sei, stellten die Mönche dieses herrliche Kleinod in die Mitte der Kirche, zwischen den jetzigen Muttergottesaltar und den Herz-Jesu-Altar.

Mehrfach wurde behauptet, der Gnadenaltar wäre der Hochaltar gewesen. Daß dem nicht so war, geht aus den Akten Düsseldorf A. Nr. 14. Designatio Consec. altarium. hervor, worin ausdrücklich von dem der hhl. Dreifaltigkeit usw. geweihten Hochaltar und dem Muttergottesaltar die Rede ist. Auch kann dieser Altar nicht eigens für die Aufbewahrung des Gnadenbildes angefertigt worden sein, denn sonst wäre es ein sogenannter Marienaltar mit dem Hauptbilde Mariens Tod oder Mariens Aufnahme in den Himmel. Mit Grund können wir annehmen, daß eine Gruppe, vielleicht die Darstellung der Auferstehung oder Himmelfahrt Christi entfernt wurde um an ihre Stelle das Gnadenbild zu setzen, wie man an anderen Orten z. B. in Zülpich getan hat, um ein Tabernakel anzubringen.

So bildete der Muttergottesaltar mit den damaligen Altären zu Ehren der hl. Apostel und des hl. Bernhard gleichsam die Chorschranke, die das Mönchschor von dem übrigen Teil der Kirche trennte. Er war von einem kunstvollen Schutzgitter umgeben, worauf die zahlreichen Weihekerzen brannten, die die Pilger zu Ehren der Schmerzensmutter opferten.
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