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Das Gnadenbild der schmerzhaften Gottesmutterauf dem Kermeter
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Wohl einer der anziehendsten Punkte der Eifel bildet der Kermeter mit seinen schönen Aussichten, herrlichen Waldpartien und der weithin berühmten Urfttalsperre. Von zwei Seiten an die tief eingeschnittenen Täler der Urft und Rur grenzend, hebt er sich mit seinen mächtigen Buchenwaldungen majestätisch von den umliegenden Bergeshöhen heraus. Auf der nordöstlichen Abflachung dieses von der Natur so reich beschenkten Berges liegt in einer Höhe von 417 Meter in stiller Einsamkeit die Zisterzienserabtei Mariawald.
Nur wenige der Touristen und Naturfreunde, die heute über den Kermeter wandern, dürften daran denken, daß schon vor Jahrhunderten, ehe die bequemen Verkehrswege angelegt waren, Tausende die Höhe diese Berges erstiegen, nicht nur um sich in Gottes schöne Natur zu ergehen, sondern um ihrem frommen, tief gläubigen Sinn Ausdruck zu verleihen durch die Wallfahrt zur Schmerzensmutter „up Berschet“ - Berschet, Berscheit ist entweder der ursprüngliche Name der Stelle, wo das Kloster erbaut wurde, oder es bedeutet soviel wie Gemeindegrenze, d. h. die Grenze der zur Gemeinde Heimbach gehörigen Ländereien gegen den herzoglich-jülischen Forst Kermeter.
Michael Radermächer, ein Augenzeuge, hat uns die Entstehung des Wall-fahrtsortes und die Gründung des Zisterzienserklosters auf dem Kermeter mit folgenden Worten niedergeschrieben:

Anfenglich ist einer geweßen, hatt geheißen Henrich Fluitter von Heimbach, und ist ein Ströhedecker geweßen, der hatt daß Marienbild zu Cöllen gesehen fein stahn, und hatt es gedingt, aber er hatt nicht so viel gelzs daß er es bezah-len könnte, und ward ihme geschatz uff neun marck. Do ist er zu Heimbach gegangen und sein noth dar geklagt, „hette er neun marck, er wollte ein bildt gelten und in den busch setzen.“ Da hatte einer ihme dieße vorschriebene neun marck gegeben, welcher geheißen der alte hein (Heinrich) Richardt.
Da ist er wiederumd nach Cöllen gegangen, und hatt dieß Marienbildt gehöhlet (geholt) und bezahlt.
Item zum ersten hatt er diß vursch (vorgenannte) bildt gesatzt uff daß Außen-blech (im Außenbereich außerhalb der eigentlichen Feldmark) in ein höltze stöckelgen (Baumstamm), und ein zeitt langh da gewest, do hatt er gedacht, es diene ihm da nicht, es wehre ihme zu einsamd und hatt diß bildt alßo hierher getragen uff den Kreutzwegh (Wegekreuzung), alßo ist dieß bild herkommen und geblieben.
Item do ist ein klein heußgen gemacht worden, und darin ist daß bildt gesätz und der Fluitter ist in ein löcksgen (kleines Loch/Hütte) dabey blieben und mennigmahl gesagt, nach seinem Todt sollte seine Maria Zeichen thun, und sie seind gebohren, die ein schön Münster hie sollen sehen stahn.
Item darnach hatt daß Volck hier bestahn zu gain (angefangen zu gehen, zu wallfahren), und von tagh zu tagh allmehr und mehr. Da hatt man gesehen, daß unßre liebe fraw allhie geehret hatt wollen sein, und ist ein groß geläuff (Zulauf) worden. Sodan der Teuffell solches gern verhindert hette, seindt etliche Doctoren mit anderen Prälaten und Klerikern, auch der Probst von Neydeggen (Nideggen) herkommen und diß willen versteuhren und verhindern, und daß bildt willen versuchen und tentiren (untersuchen) und haben zuletz das Bildt alßo funden, und haben unser lieben Frawen lob gesungen.
Item hatt auch gesagt, diß Marienbildt hätt geschrawen (geschrien, geweint, deß spötten (spötteten) die Doctoren und stippelten (stießen, stachen) daß Bildt in daß Haupt, und meinten es wehre betrogh und wehre etwas dem bildt in daß Haupt gethan, und daß sollte alßo herauß getawet (getauet, geträufelt) haben, do haben die Doctoren solches sich nicht mehr wollen unterwinden und seindt hinwegh gezogen und den Fluitter mit seiner Marien gewehren lassen.
Item alß nuhn der Fluitter ist todt gewesen, und diß geläuff sich gemehret von tagh zu tagh, da haben die Nachbauhren von Heimbach ein heußgen von dem opfer lassen machen von zween Bruder und haben einen alten frommen man, geheißen Paulus Schilder, darein gesätz, des opffers und der Pilgren zu pflegen und daß bildt zu beleuchten, deme er alßo gethan und allein darein gewest. Als nun dießer vorsch Paulus Schilder ein zeitlangh alhie unßerer lieben Frawen trewlich gedienet, hatt man ihnen uff einen morgen in seinem Zelgen (Zelle, Hütte) uff seinen Kniehen finden sitzen vor einer banck mit gefaldenen händen und ist todt gewest.
Item darnach haben die von Heimbach einen andren man dar gesetz, geheißen Thönniß Satelmächer, derselb hatt auch eine zeitlangh unßer Liebenfrawen gedienet und ist auch allhier gestorben.
Darnach haben sich drey Priester zusammen verbunden, daß Marienbildt und die platz anzunehmen und die Kirch und anders waß noth wehre, dar zu bawen, mit Nahmen Herr Johan Daum von Bürvenich, Pastor zu Heimbach, Herr Johan von Hergarden, Herr Florenß Pastor zu Flatten, und dieße zween, Herr Johan von Hergarden und Herr Florenß von Flatten seindt abgefallen ihren gelöfften (Gelübden, Versprechen) und verbundnuß, und Herr Johan Daum ist standhafftig blieben, und hatt ein höltzne Kirch, die nicht wenig kostet, und viel anderes lassen machen, und all sein elterlich Guth verbawet und sobaldt dietze zween Herren ihren gelöfften und verbundnutz abgefallen wahren, so ist Herr Johann von Hergarden der sin verbistert (irrsinnig) worden, und Herr Florenß geracht (eines plötzlichen Todes ereilt) worden, und alßo beide vorsch. Herren gestorben.
Item darnach sollten die Observanten her sein kommen und war ihnen verwilliget, so gedachten die Herren Observanten, es wehre Deuhren (Düren) zu nahe (ratione terminationis) - die Franziskaner lehnten die neue Niederlas-sung ab wegen des "Terminierens", weil Heimbach zu den äußersten Orten gehörte, in denen noch terminiert, d.h. Almosen gesammelt werden durften) und so wollten sie nicht herkommen. Alßo verdroigh (verständigte) sich Herr Johannes Daum mit den Herren von Bottenbroich, daß sie es annehmen, und ward ihnen auch 1480 von meinem Gnädigen Landfürsten und Herren verwilliget, da quam einer her, hiesch Herr Gerhardt und ein Junckherre hiesch Herr Johan von Cöllen, die haben es erst angenohmen und fortbracht, und vorsch. Herr Johan von Cöllen ist darnach eine
lange Zeitt Prior geweßen und große, schwere arbeit gethan.
Item seindt auch mittlerweil viel Zeichen geschehen ahn Krancken, blinden, lahmen und elendigen Menschen, ist dießen Herren, die hier wohnen, woll bekant. Diese Wunder waren aufgezeichnet in der leider verloren gegangenen Chronik des Klosters.
Item hatt mein Vetter, geheißen Johann Radermächer, die hultzen (hölzerne) Kirch gesehen und helffen daran arbeiten, die der vorsch. gemelt Herr Johann Daum (alß ihme seine gesellen - Gefärten - abgestanden) hatt lassen machen, die darnacher ist abgebrochen und diß Münster uff dieselbige platz gesetz, da die hultzen Kirch gestanden hatt, alß der vorsch. Fluitter vorhin gesagt hatt, „nach meinem Todt soll meine Maria Zeichen thun und sie seindt gebohren, die ein schön Münster alhier sollen sehen stahn.“
Item hab ich Michael Radermächer gesehen, alß ich ein Jung geweßen bin von neun oder zehn Jahren, darnach die Doctoren hier geweßen wahren, da wahren in dem heußgen, da dat Marienbildt instandt Ludwig von der Schleiden, Burggrave zur Zeitt, Michael Otter, Schultheiß zur Zeitt, hein uff der Ruihrpfortzen (ehemaliges Ruhrtor an der Heimbacher Burg) und mehre andere die wollten ausgehen, und wollten abgehen, und wahr noch ein oder zween in dem heußgen von den leuthen, do haffen ich gesehen und die noch da wahren blieben sagten, daß ich die wider holte, die aff hatten bestanden zu gehen und ich lieff und erfolgte (holte sie ein) sie ahn dem wenergen (etwa 50 Meter weit entfernten Weiher, der heute innrehalb der Klostermauern liegt), und die da widerkommen wahren, daß ditt Marienbildt schrawe (weinte, seufzte) und die thränen uff der betzel (Wange) annoch henckten. Urkund der wahrheit aller vorsch punckten hab ich Michael vorsch von Heimbach, Land Vogtt zur Zeitt zu
Neydeggen diß vorsch alles gesehen und gehört und beleefft und den tagh gelefft, daß nit mehr uff dießer platze gestanden hatt, dan daß vorsch klein heußgen, da datt bildt erst eingestanden hatt, und hab diß Vorsch mit meiner eigenen handt geschrieben uff Guderstagh (Donnerstag) nach der H. Pfingstagh Anno tausent fünfhundert drey und zwantzigh (1523) und bin alt geweßen zwey und sechßigh Jahr und binnen dießer verschriffner Zeitt ist diß Cloister von Vorsch uffgerichtet worden.
Gott sey lob.

Diese so einfache, kindliche Erzählung atmet den Geist der Wahrhaftigkeit, und ist auch die Urschrift nicht mehr aufzufinden, so haben wir doch eine vom Prior Brewer beglaubigte Abschrift in dem noch erhaltenen Bruderschaftsbuch. (Das im Jahre 1730 angelegte Bruderschaftsbuch befindet sich im Pfarrarchiv zu Heimbach und enthält eine vom Prior Wilhelm Brewer beglaubigte Abschrift der Urschrift des Michael Radermächer. In Netr. II. steht unterm 21. Nov.: „Gedächtnis für Michael Radermächer einst Schreiber in Nideggen: er schrieb den Anfang unserer wundertätigen Statue der folgenden Ereignisse.“)

Gelenius (Farragines Gelenii XXX S. 317/18 und 355, Kölner Stadtarchiv). führt noch an, daß nach dem Tode des zweiten Hüters des Gnadenbildes zwei Minderbrüder (Br. Jacobus und Br. Oliverius) die Bewachung der heiligen Stätte und die Pflege der Pilger übernommen hätten. Sie sollen jedoch dem guten Pfarrer Duymgen viel Verdruß gemacht und ihr Amt nicht zur Zufriedenheit der Bewohner von Heimbach verwaltet haben, weshalb sie nach kurzer Zeit den Kermeter wieder verlassen mußten.
Der Ueberlieferung gemäß hatte Fluitter das Bild ursprünglich in die Höhlung eines dicken Buchenstammes an Amselbach gestellt. Eines Morgens fand er es jedoch weit entfernt von dem Orte, wo er es aufgestellt, in einem Dornstrauch auf dem Berschet. Er trug es zum Amselbach zurück. Da sich dieser Vorfall jedoch an mehreren aufeinander folgenden Tagen wiederholte, erkannte Fluitter hierdurch den Wunsch der Gottesmutter, die an dieser Stätte besonders verehrt sein wollte, um von hier aus Gnade und Segen über die ganze Gegend zu ergießen. Er ließ es also auf dem Berschet stehen. Sein Weg zum Fischfang in der Urft führte hier vorüber, und so konnte er jeden Morgen, wenn er sich zur Arbeit begab und abends, wenn er heimkehrte, vor dem Bilde sein Gebet verrichten. Doch sein Bruder, der ihn wegen seines Glückes beim Fischfang beneidete, überraschte ihn hier eines Tages und außer sich vor Wut, überhäufte er den frommen Beter mit Schimpfworten und Schlägen und schlug auch mit einem Dornzweig auf das Bild. Doch entsetzt weicht er zurück, denn auf der rechten Wange des Marienbildes bemerkt er Blutstropfen. Voll Reue eilt er nach Heimbach und berichtet den erstaunten Einwohnern was geschehen war. Ein im Jahre 1854 erschienenes Wallfahrts-Heftchen bemerkt: „Der Schrammen ist noch auf des Bildes rechter Wange wahrzunehmen.“ Heute ist von dieser Schramme nichts mehr zu sehen, da das Bild seither neu polychromiert wurde.
Des öfteren waren zahlreiche Gläubige Zeugen, wie in den Augen und auf den Wangen des Marienbildes Tränen glänzten. Diese wunderbare Tatsache wurde auch von der höheren Geistlichkeit, die anfangs sehr mißtraulich war, für echt anerkannt.

Zisterziensermönche waren von der Vorsehung zu Hütern und Wächtern des Gnadenbildes und der heiligen Stätte auserkoren. Sie sollten, wie Fluitter es vor seinem Tode prophezeit hatte, zu Ehren der Gottesmutter einen schönen Tempel und für Gott suchende Seelen ein friedliches Heim errichten.


Kapitel aus dem Buch „Mariawald“ Goerke/Schopphoven 1937 Verlag Abtei Mariawald
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