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Mariawald im Dritten Reich
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In der Fastenzeit des Jahres 1932 war spontan aus der glaubenstreuen Bevölkerung von Mechernich der Gedanke eines nächtlichen Büßerkreuzzuges aufgekommen, um in den außergewöhnlich harten Zeiten großer Arbeitslosigkeit und politischer Gärung im eigenen Lande auch zu einem außerordentlichen Mittel zu greifen, das die Welt wieder mit Gott versöhnen sollte. An dieser Wallfahrt nahmen mehr als 2000 Männer teil; sie sollte den Grund legen für eine jahrzehntelange Übung.

Im Jahre 1933 schloß der Heilige Stuhl mit dem von Adolf Hitler geführten Deutschen Reich ein Konkordat. Die Kirche hatte damals zwei besonders gefährliche Feinde, deren Machtanspruch keine Grenzen kannte, den Kommunismus und den extremen Nationalsozialismus. Unaufrichtigkeit beim Abschluß des Konkordates und unchristliche Weltanschauung, trotz des gegenteiligen äußeren Scheins, rücksichtslose Vernichtung der Gegner und die Zuhilfenahme aller nur erdenklichen Mittel bestimmten die Diktatur Hitlers. Die neue Regierung betete den Götzen "Rasse" an.

Alfred Rosenberg hatte mit seinem "Mythos des 20. Jahrhunderts" das Handbuch des neuen Glaubens verfaßt, und dieser neue Glaube wurde nun befehlsmäßig mit allen Mitteln, die einer Diktatur zur Verfügung stehen, jung und alt eingetrichtert. Ja, man machte die neue Lehre zu einer einzigen großen Anklage gegen das Christentum und besonders gegen Rom. Die wirtschaftliche Abhängigkeit vieler vom Staate wurde dazu mißbraucht, sie in die Partei und ihre Gliederungen zu zwingen, so sie dann systematisch gegen das Christentum bearbeitet wurden. Offene Verhöhnung und Bedrohung von Bischöfen, die ihre warnende Stimme erhoben, waren an der Tagesordnung. Geldrückzahlungen von Orden und kirchlichen Instituten an ausländische Darlehensgeber aus der Zeit der deutschen Not nach dem Weltkrieg wurden zu Devisen-Schauprozessen entstellt, und unter maßlosen Übertreibungen und vielfach direkten Entstellungen wurden gegen die Ordensleute Sittlichkeitsprozesse inszeniert. Mit gefälschten Abstimmungen bewerkstelligte man 1937 die Überführung der Bekenntnisschulen in Gemeinschaftsschulen; den Orden schnitt man den Nachwuchs ab, soweit man es eben fertigbrachte. Die Enzyklika Pius XI. an die deutschen Bischöfe vom 14. März 1937 "Mit brennender Sorge" war der ergreifende Warnungsruf der Kirche, der aber zu den Gläubigen kaum mehr dringen konnte, weil die Enzyklika sofort beschlagnahmt wurde und ihre Verbreitung den schwersten Strafen unterlag.

In diesem denkwürdigen Jahr 1937 feierte Mariawald ein Doppel-Jubiläum. Vertreter der kirchlichen und weltlichen Stellen und viele Freunde des Klosters, darunter auch Bischof Bornewasser von Trier und wiederum der Oberpräsident Dr. Fuchs waren zusammengekommen, um mit dem Konvent den 450. Jahrestag der Einverleibung der Gnadenstätte in den Zisterzienserorden und den 50. Jahrestag der Wiederbesetzung des Klosters nach dem Kulturkampf zu begehen. Über diesem 18. Oktober lag ein eigenartiger Schimmer von Freude und wehmütiger Vorahnung, der sich wie die Abendröte am Himmel vor dem Sonnenuntergang ausnahm. Schon drei Tage später wurde der erste von den Mariawalder Patres durch die berüchtigte Gestapo verhaftet. Im darauffolgenden Jahr begann man mit dem Bau des Westwalles, dessen Linie jenseits der Kermeter Kammhöhe lag. Heimbach wurde Hauptausladebahnhof, und auf der Straße Heimbach-Gemünd, die scharf am Kloster vorbeizieht, setzte sich ein gewaltiger, Tag und Nacht anhaltender Verkehr ein. Mariawald mußte zuerst einen großen Raum für die Unterbringung der von der Deutschen Arbeitsfront eingesetzten Westwall-Arbeiter zur Verfügung stellen. Später wurde noch das ganze Brüderhaus abgefordert, und als plötzlich neue Einquartierung gemeldet wurde, ließ der Lagerführer mitten in der Nacht einfach die Schlafzellen des Klosters herausreißen und durch die Fenster auf den Hof werfen.

Auch Militär bezog immer wieder für kürzere oder längere Zeit Unterkunft im Kloster. Anfang November 1938 hielt es der Chronist für angebracht, anläßlich der neuen Judengreuel, von denen auch die Kunde in den Konvent gedrungen war, die Bemerkung einzutragen: "Manche aus dem Konvent fürchten, daß es vielleicht auch uns einmal so ergehen wird."

Abt Stephanus schien sich seiner schweren Aufgabe nicht mehr gewachsen zu fühlen. Am 21. März 1939 dankte er ab, und am 2. Juni desselben Jahres ernannte der zuständige höhere Obere vom Mutterkloster Oelenberg P. Antonius Diesberg zum Superium ad nutum, d. h. zum Leiter des Klosters bis auf Widerruf. Die damaligen Umstände machten diese Zwischenlösung bis zur Festlegung einer neuen Abtwahl erforderlich.

Von den Trappisten in der österreichischen Abtei Engelszell, wohin sich Abt Laurentius Wimmer zurückgezogen hatte, trafen um diese Zeit alarmierende Nachrichten ein. In den letzten Jahren hatte man immer wieder die straffe Zucht und das darauf zurückgeführte Aufblühen dieser alten Abtei rühmen hören. Und jetzt brachte die Gestapo plötzlich unerhörte Beschuldigungen gegen Abt, Prior und viele Patres vor und führte eine große Anzahl von ihnen in Untersuchungshaft ab. Unter diesen Umständen kam Dom Laurentius am 2. Februar 1940 wieder nach Mariawald zurück, wo ihm die Gemeinde einen freudigen Empfang bereitete.

Seit Kriegsbeginn liefen nacheinander die Stellungsbefehle für die waffenfähigen Patres und Brüder ein; häufiger Fliegeralarm und sogar Bombenabwurf in der allernächsten Umgebung des Klosters, wahrscheinlich wegen des auf einer der Wiesen stationierten RAD-Lagers, brachten es mit sich, daß man das Nachtoffizium im Luftschutzkeller verrichten mußte. Im gleichen Jahr 1940 fand eine neue Verhandlung statt. Nach wochenlangen Verhören und Traktierungen wurde der Pater endlich entlassen, und am 31. Dezember traf ein Schreiben des Oberstaatsanwalts in Aachen mit der lakonischen Mitteilung ein, daß "das Verfahren gegen ihn eingestellt ist". Der Konvent atmete wieder einmal auf. Ein anderer Pater, der auf der Kanzel einer benachbarten Pfarrkirche vor dem Regime warnte, entging im letzten Augenblick dem Konzentrationslager und wahrscheinlich dem Tod nur durch das rasche Eingreifen einer hohen, dem Kloster gut gesinnten Persönlichkeit. Am 28. April 1941 rief der Obere seine Gemeinde zu einem außerordentlichen Kapitel zusammen und teilte mit, er wisse aus ganz sicheren Quelle, daß Mariawald an einem genau bestimmten Tag der vergangenen Woche hätte aufgehoben werden sollen. Auch hier habe wieder eine höhere Instanz ein wenigstens vorläufiges Veto eingelegt. Aber - so dachten alle - aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Es wurde auch bekannt, daß die Jesuiten in Köln innerhalb zweier Stunden ihr Haus räumen mußten, daß beschauliche Ordensfrauen kurzerhand auf Autos verfrachtet und in der Eifel auf die Straße gesetzt worden waren, daß St. Matthias in Trier bereits die Aufhebung erfahren hatte, wobei aber die Patres spontan von der Bevölkerung mit Glockengeläute und Blumen zum Abschied geehrt worden waren. Anfang Mai 1941 machte der Chronist in Mariawald seine letzte Eintragung. Sie lautete: "Vergangene Nacht gegen ein Uhr hörte man wieder das eklige Geräusch feindlicher Flieger in Nähe, dann das Krachen einer Bombe in so kurzer Entfernung, daß die Wände der Schlafzellen zitterten. Gleich darauf Alarm. Wir beten das Nachtoffizium im Keller."

Die jahrelangen Verdächtigungen und Bespitzelungen durch die Gestapo ließen an deren vorgefaßten Entschluß, das Kloster zu liquidieren, schon lange keinen Zweifel mehr aufkommen. Hatte man auch kein Belastungsmaterial finden können, was verschlug es. Man hatte die Macht, also auch das Recht! Am 21. Juli 1941 machte denn auch eine Rotte Gestapomänner einen Überfall auf das Kloster - anders kann man ihr plötzliches Erscheinen nicht nennen - besetzte sämtliche Ausgänge und sperrte den Konvent im Kapitelsaal ein.

Doch lassen wir den damaligen Pfortenbruder selbst berichten, was vor sich ging: "Etwa um 14.15 Uhr des 21. Juli 1941 ging die Pfortenschelle. Als ich die äußere Klausurtür öffnete, sah ich mich zwei hochgewachsenen Herren in Uniform gegenüber. Da wir häufig Besuche vom Bezirkskommando erhielten und mit dieser Stelle in guten Beziehungen standen, glaubte ich, die Herren seien von dort und rief spontan: Seid ihr auch schon wieder da? – Der eine der beiden Herren antwortete mit einem Lächeln, dessen Bedeutung mir erst später zum Bewußtsein kam: "Wir möchten das Haus ansehen." - Kommt mit, sagte ich und wollte die Herren vorgehen lassen. Aber schon packte mich der eine von ihnen etwas derb an der Schulter und schob mich vor sich her. Wir gingen die zwanzig Schritte bis zum Pfortenzimmer, dessen Tür offen stand.

Als einer der Uniformierten hinter mir durch die geöffnete Tür das Telefon erblickte, sagte er zu seinem Hintermann in befehlendem Ton: "Sie besetzen das Telefon!" In diesem Augenblick fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Jetzt sind sie da, das ist die Gestapo. Auch bemerkte ich erst jetzt, daß hinter den beiden Uniformierten eine Menge Zivilisten - wie später festgestellt wurde, waren es sechzehn an der Zahl - nachdrängte. Die Stimme des Anführers riß mich aus meinen ersten Schrecken. „Wir wollen den Oberen sprechen!“ Ich wollte mich aufmachen, um ihn zu suchen, aber schon war einer der Männer an meiner Seite, um mich keinen Augenblick mehr allein zu lassen. Wir gingen zusammen durch den Kreuzgang und über den Klosterhof bis zur Ökonomie, wo wir den Gesuchten beim Gemüseabladen fanden. Ich deutete mit der Hand auf Dom Antonius. "Hier!" Der Beamte ging auf den Superior zu, zeigte seine Erkennungsmarke GESTAPO und wies ihn an, mitzukommen. Ohne die geringste Spur der Erregung leistete Dom Antonius der Aufforderung Folge, und wir schritten zurück über den Hof ins Gästehaus.

Dort angekommen, befahl der Anführer dem Oberen: "Versammeln Sie die Gemeinde!" - Dom Antonius mußte sich mit den Patres und Brüdern in den Kapitelsaal begeben, wo man sie streng bewachte, während die GESTAPO überall im Haus nach belastendem Material suchte, um der Abtei den Prozeß machen zu können. Gegen 16:30 Uhr wollte Dom Antonius anordnen, daß die für diese Stunde vorgesehene Vesper gemeinsam gebetet werden soll. Allein man fiel ihm barsch ins Wort: "Das gibt es jetzt nicht mehr. Jeder bleibt an seinem Platz. Das Theaterspielen hört jetzt auf." Am Abend desselben Tages wurden drei zur Klosterleitung gehörende Patres gezwungen, ein Schriftstück zu unterzeichnen, wonach sie sich selbst als Staatsfeinde bekennen mußten, die nicht würdig seien, das Kloster weiterhin zu bewohnen.

Was war geschehen? Man hatte bei der Durchsuchung der Räume einige feindliche Flugblätter gefunden, die zu Hunderten auf Klostergebiet gefallen und nicht alle vernichtet worden waren. Man behauptete ferner, im Kloster seien Auslandssender gehört worden.

Die Gestapo versammelte am anderen Tag, dem 22. Juli 1941, die Klostergemeinde erneut im Kapitelsaal - sie waren inzwischen zur Beratung nach Aachen gefahren - und einer von ihnen trat vor und sprach etwa folgendes: „Meine Herren, ich habe ihnen bekannt zu geben, dass die Abtei mit sofortiger Wirkung wegen staatsfeindlicher Haltung aufgelöst ist. Die Patres haben innerhalb 36 Stunden das Rheinland zu verlassen. Jeder kann sich im Zimmer des Obern 60 Reichsmark Reisegeld holen. Die Brüder bleiben hier, um den Wirtschaftsbetrieb aufrechtzuerhalten.“ Nachdem die Namen der ausgewiesenen Patres vorgelesen waren, wurde noch gefragt: „Hat noch jemand etwas zu sagen?“ Dom Antonius erhob sich und legte, allen deutlich vernehmbar, lauten Protest gegen die Aufhebung des Klosters aus den genannten Gründen ein. Praktischen Erfolg hatte er damit allerdings keinen, aber das Wort war am Platze, wenn es auch von den Gegnern kaum beachtet wurde.

Um die zurückbehaltenen Brüder nicht ohne Geistlichen zu lassen - ihre Arbeitsfreudigkeit hätte darunter leiden können -, verfügte die Gestapo, daß ein Pater für ihre Leitung und auch für die Klärung eventuell auftauchender Fragen und Schwierigkeiten während der Übergangszeit ebenfalls im Kloster bleiben solle, da man ja beschlossen hatte, Mariawald zu einem Gemeindegut zu machen. Es war das gewiß kein beneidenswerter Posten. Ohne Pessimist zu sein, konnte man voraussehen, daß der Pater weniger für die Leitung der Brüder als für die Zwecke der Gestapo zu Diensten zu sein hätte. Schließlich erklärte sich der Novizenmeister, P. Christophorus, der spätere Superior und dritte Abt von Mariawald, bereit, das Opfer zu bringen. Auch der Leiter der Likörfabrikation, ebenfalls ein Pater, wurde zurückbehalten, um diese Einnahmequelle nicht versiegen zu lassen. Ferner durften mit Rücksicht auf ihren Gesundheitszustand Dom Laurentius, P. Gregor und der Bienenvater P. Fulgentius im Kloster bleiben.

Die Patres schieden nicht von ihrem Heim, ohne am Vorabend noch gemeinsam mit den Brüdern das Salve Regina in der Kirche gesungen zu haben. Keiner von ihnen konnte sich einer inneren Ergriffenheit erwehren. Was der einzelne mitnehmen durfte, war nicht viel; es sollte nicht größer sein als ein Paket, das jeder selber tragen konnte. P. Christophorus und P. Fulgentius folgten ihnen nach einigen Monaten in die Verbannung. Von ersterem hatte man versucht zu erfahren, wohin gewisse Sachen verlagert worden seien, aber vergeblich. Man jagte also beide fort wegen „Aufwiegelung der noch willigen Arbeiterschaft“, womit man die Brüder meinte. Mehrer Brüder wurden später noch an die Deutsche Arbeitsfront ausgeliefert.

Zur Zeit der Aufhebung standen sieben Patres unter Waffen, ohne von den Brüdern zu reden, von denen ebenfalls eine ganze Anzahl eingezogen worden war. Während sie draußen für die Heimat ihr Leben aufs Spiel setzten, raubte man ihnen in hinterlistiger Weise ihr trautes klösterliches Heim, um dessetwillen sie alles verlassen hatten.

Das Schicksal der Vertriebenen war zu mannigfaltig, um hier im einzelnen erzählt werden zu können. Viele mußten große Leiden erdulden, drei starben in der Verbannung.

Wie schon erwähnt, wurde das Klostergut in ein Gemeindegut umgewandelt. Der zuständige Amtsbürgermeister von Heimbach hatte es zu verwalten. Zunächst wurde eine gründliche „Säuberung“ der wertvollen und umfangreichen Klosterbibliothek vorgenommen. Die modernen und sehr schönen Stahlregale kamen zusammen mit den besonders ausgelesenen Büchern nach Berlin. Was der Gestapo nicht gefiel, wanderte in die Papiermühle. Nicht weniger als rund neun Tonnen Bücher wurden auf diese Weise vom Papierwolf zerrissen und ergaben den lächerlichen Betrag von 173,43 Reichsmark, da aus ihnen Schrenzpapier, also Papier von der billigsten Sorte, gemacht wurde. Groß waren auch die Verluste in den anderen Abteilungen des Klosters. Man hatte keine Mühe gescheut, die verlagerten Sachen aufzustöbern, was teilweise auch gelang. Besonders wüst tobte der Kampf um das von der Klosterleitung in Vorahnung des Schlimmsten flüssig gemachte Geld. Dieses sollte die Möglichkeit bieten, jedem Ordensangehörigen im Falle der Vertreibung eine erste Hilfe zu leisten, wenn das Kloster nicht mehr für ihn sorgen konnte. Der Ordensmann verzichtet je bei Ablegung seiner feierlichen Gelübde, restlos auf jegliches Eigentum, wofür der Orden die Verpflichtung übernehmen muß, in gesunden und kranken Tagen mütterlich für ihn zu sorgen. Auch dieses Geld bekam die Gestapo schließlich in die Hände und lieferte dafür drei Patres in das Aachener Untersuchungsgefängnis ein wegen „Verstrickungsbruch“. Erst im darauffolgenden Jahr, am 16. März 1942, wurde die offizielle Enteignung der Abtei ausgesprochen.

Was die Mönche durch jahrzehnte-, ja man kann sagen jahrhundertelangen Fleiß erworben, was Wohltäter ihnen geschenkt, was dankbare Menschen für erfahrene Gebetshilfe ihnen hatten zukommen lassen, verschlang die Gewissenlosigkeit der damaligen Staatsführung mit einem einzigen Bissen. Sie nahm über 60 Männern das Zuhause und machten sich dadurch des Raubes und des Friedensbruches schuldig. Konnte ein solcher Frevel ungestraft bleiben? Wiederum protestierte der Superior von Mariawald gegen die jetzt legalisierte Gewaltmaßnahme und schrieb am 24.8.1942 an den Regierungspräsidenten in Aachen u. a. folgendes:

„Als Vorstand des Trappisten-Konvents Mariawald e.V., des Grundeigentümers von Mariawald, erhebe ich gegen die ohne rechtliches Gehör, sowie Angabe von Gründen erfolgte Einziehung auch im Namen der unter den Fahnen stehenden Angehörigen von Mariawald, hiermit Einspruch. Ganz abgesehen davon, daß eine rechtswirksame Zustellung der Verfügung bisher nicht erfolgt ist, bleibt in sachlicher Beziehung festzustellen, daß auf das zwischen dem eingetragenen Verein der Trappisten und der Ordensniederlassung bestehenden Rechtsverhältnis § 2 des Gesetzes vom 27.5.1933 analog anzuwenden ist. Demgemäß sind die Maßnahmen gegen den Eigentümer des beschlagnahmten Besitzes nur dann zulässig, wenn der Eigentümer selbst sich volks- oder staatsfeindlich verhalten hat. Dieses ist bisher weder behauptet noch dargetan. Darüber hinaus ist mir nichts davon bekannt, daß sich bis zur Sicherstellung von Mariawald Mitglieder der Ordensniederlassung staatsfeindlich verhalten hätten.
Die entehrende Einziehungsmaßnahme bitte ich daher rückgängig zu machen.“

Als Antwort darauf ging zwar einen Empfangbestätigung ein mit der Mitteilung, daß der Einspruch an die zuständige höhere Behörde weitergeleitet worden sei, dabei blieb es aber. Mehr hatte der Obere wohl auch nicht erwartet, er wollte eben seine Pflicht tun.

Es verging kein Jahr mehr und Dom Antonius war am Ende seiner Kräfte. Die Quälereien der Gestapo und die Untersuchungshaft hatten ihm so zugesetzt, daß er zusammenbrach. Erst 34 Jahre alt starb er im Juli 1943.

Schon bald nach der Aufhebung wurde zunächst das evangelische Waisenhaus von Köln-Lindenthal, etwas später auch ein zweites Waisenhaus nach Mariawald evakuiert, doch konnten die Kinder nicht lange in der Eifel bleiben, da die Front immer näherrückte und Mariawald im Herbst 1944 zum Hauptverbandsplatz gemacht wurde. Wiederum dauerte es nur wenige Monate bis das Kloster mitten im Kampfgebiet lag und zum Gefechtsstand der deutschen Truppen gemacht wurde. Nun belegte die feindliche Artillerie den Klosterhof pausenlos mit starkem Beschuß. Die Schuld an der Beschießung schob man scheinbar auf den Dachreiter der Klosterkirche, der Anzielungspunkt gewesen sein soll. War es Bosheit, Gedankenlosigkeit oder allzu blinder Gehorsam gegenüber einem von einer bisher unbekannten Stelle gegebenen Befehl? Der Dachreiter wurde eines Nachts von deutschen Pionieren gesprengt, und zwar mit einer so starken Ladung, daß die ganze Kirche dadurch in Mitleidenschaft gezogen wurde. Beinahe das ganze Dach wurde mit dem Gewölbe losgerissen und stürzte in das Kircheninnere, wo alles: Altäre, Chorgestühl, Bücher etc. kurz und klein geschlagen wurde. Über die Hintergründe dieser Sprengung herrscht heute noch Unklarheit.

Es sind Gerüchte im Umlauf, wonach nicht militärische, sondern parteipolitische Stellen die Vernichtung des ganzen Klosters angeordnet hätten, doch sollte sich das Sprengkommando geweigert haben, so radikal vorzugehen. Wenn man eine Sprengung aus strategischen Gründen annimmt, kann man schlecht verstehen, daß viel mehr gesprengt worden ist als unbedingt nötig gewesen wäre, ferner daß in den Trümmern weitere Sprengladungen ohne Zünder gefunden wurden, und schließlich daß maßgebliche Militär-Experten die Selbstzerstörung überhaupt für sinnlos erklärten, nachdem man die Beschießung des Klosters sehr leicht durch einen Beobachtungsflieger hätte dirigieren können. Ein solcher war denn auch von einem Zeugen gesehen worden.

Hier ist auch der Platz für die Bemerkung von amerikanischen Offizieren, die dem Pfarrer von Rötgen von der Beschießung Mariawalds erklärt hatten, sie würden das Kloster schonen, wenn sich noch Mönche darin befänden. Diese aber waren vertrieben worden. Auch die zurückgebliebenen Brüder zogen Anfang Februar ab, und Abt Laurentius und P. Gregor waren inzwischen gestorben. So war das Kloster bis zu seiner Wiederbesetzung etwa sieben Wochen lang ohne Mönche. Aus alledem läßt sich folgern, daß die Zwangsenteignung auch an den schweren Zerstörungen der Gebäude schuldig war.

Nun blutete die Stätte Mariens wiederum aus tausend Wunden. Der Gesang der Trappisten war dem Wehklagen der Verwundeten gewichen, der Weihrauch dem Pulverdampf, das Glockengeläute dem Heulen der Granaten. Und in die Erde wurden keine Weizenkörner mehr gesenkt, sondern zerfetzte Soldatenleiber. Das Kloster schien zu Tod getroffen.
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